An dieser Stelle möchte ich Probleme einstellen, die mir häufig vorgetragen werden Ich muss zunächst betonen, dass ich hier nur Ratschläge aus meinem eigenen Erleben geben kann. Ich bin weder ein Tierarzt noch möchte ich einen ersetzen. Allerdings besitze ich eine Ausbildung in Kinderheilkunde und Innerer Medizin, inklusive der dazu gehörenden Intensivmedizin. Als Umweltmediziner habe ich u.a. eine Ausbildung in Orthomolekularer Medizin, das ist die Lehre von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Ich werde hier anonyme Fragen einstellen, die an mich herangetragen wurden und einen Versuch der Hilfestellung zu Diagnostik und ggf. Therapie einstellen.


Frage: Wie kann nach der Geburt eines Fohlens möglichst zuverlässig die Immunabwehr gesteigert werden?

Der sicherste Schutz für das Fohlen vor Infekten ist die Kolostralmilch der Mutter. Hat diese die letzten mindestens 6 Wochen vor der Geburt des Fohlens in der späteren Umgebung des Fohlens gelebt, hat sie bereits die notwendigen Abwehrstoffe gebildet und kann diese an das Fohlen weitergeben, die in dieser Umgebung benötigt werden.

Es sollte außerdem ein optimaler Schutz gegen Clostridien, vor allem gegenüber Clostridium tetani vorhanden sein. Dies lässt sich erreichen durch eine Impfung (z.B. mit Covexin 8 oder 10) mindestens 6 Wochen vor der Geburt des Fohlens. In diesem Zeitraum kann die Impfung außerdem keine Schäden am Fohlen verursachen.

Um sicherzugehen, dass das Fohlen, unabhängig von der Saugstärke, der Milchmenge der Mutter oder dem Geburtstermin nicht eventuell zu wenig Abwehrstoffe bekommt, sollte jedes Fohlen unbedingt in den ersten 24 Stunden zusätzlich mehrfach ein Kolostrum-Konzentrat (wichtig: kein Originalkolostrum mit Kalorien sondern ein Konzentrat) bekommen, denn zuviele Immunglobuline kann es nicht haben. Bei Frühchen ist der Darm in den ersten Stunden noch nicht aufnahmebereit für Kolostrum, das bedeutet, dass sie auch in den zweiten 24 Stunden weiter Kolostrum-Konzentrat zusätzlich zur Muttermilch bekommen sollten.

Sie können Kolostrum-Konzentrat inzwischen von vielen Anbietern bekommen.

Bitte unbedingt rechtzeitig bevoraten, damit es nicht fehlt, wenn das Fohlen da ist.

Die gegebenen Immunglobuline schützen nun das Fohlen in den ersten 3 Monaten. Danach muss es mit seiner eigenen Immunabwehr, die sich allmählich aufgebaut hat, zurecht kommen.

Mein Alpaka hat Schaum vor dem Mund, was kann das bedeuten?

Wenn es nur sehr gelegentlich vorkommt, hat es meist nichts zu bedeuten. Durch das Kauen und Wiederkauen kann schon mal schaumiger Speichel entstehen.

Bedenklich ist es allerdings, wenn das Alpaka dazu andere Zeichen von Unwohlsein, Trägheit, Appetitlosigkeit oder sogar von Erkrankungen wie Durchfall, Verstopfung oder Nasenausfluss zeigt.

Im Fall einer Erkrankung ist das schaumige Wiederkauen oft ein Zeichen einer beginnenden Acidose (Übersäuerung). Oft riecht der Atem des Tiers dann säuerlich oder sogar faulig.

Eine Acidose ist immer gefährlich. Sie kann im Magen beginnen durch z.B. Infektionen, aber auch im allgemeinen Stoffwechsel (z.B. durch Kälteeinbruch, Milcheinschuss nach der Geburt, schwere zehrende Erkrankungen) zuerst auftreten.

Eine Körperacidose kann durch den Nachweis von Ketonkörpern im Urin sogar im Schweregrad festgestellt werden. Es ist allerdings nicht immer einfach, Urin zu gewinnen.

Diese Ketonkörper entstehen durch Gewebeabbau bei Energiemangel im Rahmen einer ernsten Störung.

Eine Magenacidose führt im weiteren Verlauf immer zu einer Körperacidose und umgekehrt.

Weil eine Acidose in kürzester Zeit lebensgefährlich werden kann, ist schnelles Handeln wichtig.

Zunächst: unbedingt sofort den Tierarzt verständigen.

Was kann der Tierbesitzer bis zum Eintreffen des Tierarztes unternehmen?

Die erste Maßnahme sollte sein, das Tier aufzuhalftern und an einen ruhigen Ort zu bringen. Hier ist es von großem Vorteil, wenn das Alpaka halfterführig ist und eine solche Maßnahme keinen zusätzlichen Stress darstellt.

Ohne etwas verkehrt zu machen, kann man dem Alpaka je nach Größe 4-6 Tabletten "Rennie" aus der Apotheke zerkleinert und aufgelöst ins Maul geben. Eine ähnliche Wirkung hat auch Natriumbikarbonat ("Bi-Pill").

Als Unterstützung und zum Stoppen einer Gewebsacidose hat sich Natriumpropionat bewährt (z.B. "Boviket"), weil es schnell den Abbau des Gewebes stoppt und so keine Ketonkörper mehr neu entstehen. Das Tier wird auch schnell gestärkt.

Dies kann auch im Ernstfall mit einer Nasenschlundsonde geschehen, allerdings braucht man dafür die notwendige Kenntnis.

Ist das Alpaka bei Bewusstsein, kann man ihm aufgelöstes Ergänzungsfutter mit Hilfe eines Drenches ins Maul geben. Dieses Ergänzungsfutter muss aber Entsäuerungsmittel enthalten, wie das beim Alpakafutter "Pacos" der Firma Eilers der Fall ist.

Der Tierarzt wird in der Folge die Ursache der Acidoseentwicklung feststellen und entsprechend behandeln.

Kann man die Milchmenge einer Stute beeinflussen?

Selbstverständlich!

Negativ auf die Milchmenge wirken sich verschiedene Einflüsse aus:

  •  Stress in der Umgebung
  •  starke Schmerzen oder sogar Komplikationen unter der Geburt
  •  Erstlingsgeburten: Stuten, die das erste Fohlen bekommen, sind mehr im Stress als erfahrene Mütter
  • unzureichende Ernährung schon in der Trächtigkeit, die Stute ist mager
  • schwere Mängel an einzelnen Vitaminen oder Spurenelementen, die nicht an dem Ernährungszustand des Tieres zu erkennen sind (z.B. Zinkmangel, Vitamin A oder D-Mangel, Eisenmangel u.v.a.)
  • Erkrankungen des Fohlens können zu unzureichendem Saugen führen. Die Stute bildet dann weniger Milch, weil weniger Milch "angefordert" wird
  • Entzündungen jeder Art, besonders Entzündungen der Gebärmutter führen ebenfalls zu Milchmangel, sind meist aber nicht mit vermehrten weißen Blutkörperchen oder Fieber verbunden und deshalb schwer zu erkennen

Damit ist bereits erkennbar, dass das Beheben der obigen Störungen zu einer Verbesserung der Milchleistung führt.

Studien an Rindern belegen aber auch, dass eine Stute später deutlich mehr Milch geben wird, wenn sie selbst als Fohlen reichlich ernährt worden ist.

Auch die Gabe von Entzündungshemmern wie Aspirin, Metacam, Novalgin oder entsprechende pflanzliche Entzündungshemmer (wie Traubentrester) führen zu einer Steigerung der Milchmenge, wenn sie direkt nach der Geburt für einige Tage gegeben werden.

(Die Gabe von Medikamenten muss mit dem Tierarzt abgesprochen werden)

Ist das Fohlen erkrankt, sollte die Mutterstute unbedingt abgemolken werden, damit bei ihr die Milchmenge nicht reduziert wird.

Eine reichliche Ernährung der Stute vor allem in den letzten 4 Monaten der Trächtigkeit sowie direkt nach der Geburt und in der Laktationszeit führt ebenfalls zu einer Steigerung der Milchmenge (und bei dem Fohlen zu einer besseren, weil feineren Faser).

Es sind also sehr viele Faktoren, die die Milchproduktion einer Stute beeinflussen. Den geringsten Einfluss hat die immer wieder fälschlich angeführte "Genetik".

Kann man ein Alpaka mit gebrochener Wirbelsäule behandeln?

Zunächst muss unterschieden werden: ist nur die Wirbelsäule, also sind Knochen gebrochen oder sind auch das Rückenmark oder andere Nerven betroffen. Letzteres kann man daran erkennen, dass neurologische Defizite in Form von Taubheit und/oder Lähmungen vorhanden sind.

Falls neurologische Defizite da sind, heißt das immer noch nicht, dass das Rückenmark oder Nerven irreparabel beschädigt wurden. Denn häufig führen Quetschungen über die dadurch ausgelöste Schwellung zu Einschränkungen. Nach Abklingen dieser Schwellung arbeiten sie völlig normal.

Was bedeutet das nun? Zunächst bedeutet es, dass sehr sorgfältig abgewägt werden sollte, ob ein Tier wirklich nicht zu retten ist, denn meist werden Alpakas selbst ohne Nervenschädigungen mit verletzter Wirbelsäule eingeschläfert. Das ist aber nicht notwendig, sondern im Gegenteil: es sollte immer versucht werden, das Tier zu retten.

Glücklicherweise haben viele Tierkliniken inzwischen die Möglichkeit, nicht nur ein Röntgenbild sondern auch ein MRT mit direkter Darstellung nicht nur der Wirbelsäule, sondern auch der Nerven und des Rückenmarks zu machen. Nur damit ist eine sichere Aussage zu treffen.

Nur bei einer vollständigen oder weitgehenden Durchtrennung des Rückenmarks besteht keine Chance auf ein lebenswertes Leben. Denn ein teilweise gelähmtes Alpaka stirbt an den in der Folge autretenden Komplikationen.

Dennoch kann selbst bei Lähmungen noch abgewartet werden, ob diese sich positiv verändern unter optimaler abschwellender Therapie, wenn das MRT eine weitgehende Durchtrennung der Nerven ausgeschlossen hat.

Denn oft beginnt die Verbesserung/Regeneration der Nervenbahnen erst nach einigen Tagen unter der optimal abschwellenden Therapie.

Was kann man also tun? Zunächst ist eine Ruhigstellung wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden.

Es hat sich bewährt (und wurde in der Zeitschrift des AAA = Australian Alpaca Association ausführlich dargestellt), das Alpaka zwischen Heuballen seitlich zu fixieren und mit einer schweren Platte ohne Kontakt zum Tier am Aufstehen zu hindern. Vorne wird Wasser und Futter angeboten, hinten werden Kot und Urin immer wieder entfernt. Bitte das Alpaka nicht isolieren, es wäre ideal, wenn es mitten zwischen den anderen liegen darf.

Wichtig ist die Gabe von Schmerzmitteln, Entzündungshemmern sowie Cortison, außerdem muss das der Stress reduziert werden. Das kann mit Medikamenten geschehen, aber auch Bachblüten und Homöopathika haben sich bewährt (vor allem Traumeel und Rescue-Tro).

Weil Alpakas im Krankheitsfall schnell in eine Acidose von Magen oder sogar Stoffwechsel entgleiten, sollte vorbeugend auch hier behandelt werden.

Je jünger das Tier noch ist, desto besser und vor allem schneller heilt eine Verletzung. Ein Bruch der Wirbelsäule ist oft schon nach 3 Wochen weitgehend stabil genug, um zu versuchen, das Tier laufen zu lassen (natürlich abhängig von der Komplexität des Bruchs).

Selbst leicht neurologische Schäden werden oft eindrucksvoll kompensiert oder verschwinden sogar vollständig.

Die Regenerationsfähigkeit von Alpakas hat mich immer wieder sehr beeindruckt.

Im vergangenen Jahr haben wir bei der Jungstute "Madita" einen leichten Bruch mit Instabilität nicht bemerkt. Sie hatte keinerlei neurologische Einschränkungen.

Es ist nur aufgefallen, dass der Rücken mal gerade, aber auch immer wieder nach oben aufgewölbt war. Wir dachten an Bauchschmerzen, haben alles an Therapie versucht.

Erst nach 2 Wochen haben wir den Bruch und die Beweglichkeit an der gebrochenen Wirbelsäue getastet. Da aber das Tier zu diesem Zeitpunkt bereits 2 Wochen lang problemlos gelaufen ist, haben wir den Bruch einfach zu Ende heilen lassen.

"Madita" hat nun am Ende der LWS einen Bogen in der Wirbelsäule, weil der Bruch in leichter Fehlstellung verheilt ist. Aber ansonsten ist sie wieder ganz gesund. Und selbst dieser Bogen wird zunehmend flacher und wird vielleicht in einem Jahr nicht mehr zu sehen sein.

Was kann bei großen Wunden versucht werden? Gibt es eine Möglichkeit, einzuschätzen, wann es keine Aussicht auf Heilung mehr gibt?
Die Geschichte von "Humphrey" sollte uns motivieren, nicht aufzugeben

Zuerst die einfache Antwort auf den zweiten Teil der Frage: nein!

Es ist erstaunlich, wie groß die Heilungsmöglichkeiten bei Alpakas sind. Deshalb kann nie eingeschätzt werden, ab wann sich ein Behandlungsversuch voraussichtlich lohnt oder wann es keine Chance gibt.

Als Beispiel möchte ich den Verlauf der Verletzung unseres Hengstes "Apolls Humphrey B." bringen.

Er wurde von einem anderen Hengst nachmittags/abends am rechten Vorderbein verletzt. Dabei wurde ein großer Teil der Außenseite der Haut des Beines und ein Teil der Muskulatur vom eigentlichen Unterarm ("Oberarm") und fast alle Haut vom "Unterarm", dem eigentlichen Mittelfuß ab- bzw. herausgerissen. Weil auch viele Haare ausgerissen wurden und diese die Wunde verklebten, war sie am nächsten Morgen in ihrem Ausmaß zunächst gar nicht erkennbar.

Erst als der Tierarzt die Wunde freilegte, wurde die ganze Ausdehnung sichtbar.

In Narkose wurde zunächst die Wunde in der Klinik des Tierarztes gründlich gereinigt und desinfiziert.

Anschließend erfolgte die weitere Wundversorgung bei uns auf dem Hof.

Natürlich tut es weh, wenn eine offene Wunde zur Reinigung berührt wird. Es ist aber keinesfalls gesund, ein Tier täglich zu sedieren, nur um es behandeln zu können. So bekam "Humphrey" neben Antibiotika auch entzündungshemmende Schmerzmittel in den ersten Tagen gespritzt. Uns ist natürlich bekannt, dass diese bei längerer Anwendung Magengeschwüre verursachen können. Aber in dem von uns mit der Firma Eilers zusammen entwickelten Futter sind zwei Stoffe drin, die auch in frei verkäuflichen Magenmedikamenten dafür sorgen, dass eine Magenübersäuerung entstehen kann.

Weil eine so schwere und große Wunde einen starken Eiweiß- und Kalorienverlust zur Folge hat, haben wir ihm reichlich von diesem Futter zur völlig freien Verfügung gegeben. Seinem Kumpel "Quatermain" hat es ebenfalls nicht geschadet.

Täglich wurde die Wunde dann mit Prontosan gespült, abgestorbenes Gewebe vorsichtig entfernt und ein Wundverband angelegt, der möglichst wenig mit der Wunde verkleben konnte. Zu Beginn haben wir Verbandsplatten verwendet, die zusätzlich mit Silber behandelt waren. Dies bremst das Keimwachstum. Vor dem Auflegen dieses Wundverbands sprühten wir noch Vitamin-E-Spray auf. Es ist ein sehr gutes Desinfektionsmittel, das außerdem stark wundheilungsfördernd wirkt.

Weil wir am Anfang auch keine großen Hoffnungen hatten, haben wir zunächst keine Fotos gemacht.

Vor allem die fehlende Haut machte uns große Sorgen. Aber nach etwa einer Woche konnte man erkennen, dass die Haut an den Rändern begann, über die Wunde zu wachsen.

Sogar am Mittelfuß, der ja fast "abrasiert" war, kamen überall kleine Hautinseln aus dem Restgewebe, die sich zunehmend zu einer vollständigen Hautschicht verbanden.

Unglaublich, aber wahr: sogar hier wuchs auch wieder Haar, so dass bis auf eine kleine und sehr feine Narbe von den ganzen bösen Verletzungen nichts mehr zu sehen ist.

Besonders faszinierend: der teilweise entfernte Muskel und die dazu gehöhrende abgestorbene Sehne haben zu keinem Funktionsausfall geführt: "Humphrey" ist wieder völlg fit und kann das ehemals verletzte Bein völlig normal bewegen.

Für uns ist der Verlauf wie ein Wunder, das hoffentlich auch andere Besitzer ermutigt, es zumindest zu versuchen, selbst wenn der Tierarzt keine Chance mehr sieht. Die Heilungskräfte von Alpakas scheinen wesentlich größer zu sein als die anderer hiesiger Tiere.

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