VILYA


Im Süden Perus nennt man eine bestimmte Zuchtrichtung der Alpakas „Alpaca con lana avicuñada“, auf englisch am treffendsten übersetzt mit „vicunja like yarn alpacas“ oder VILYA.

Geschichte: Während man vor nahezu 100 Jahren in der Gegend um die Accoyo-Farm auf das Ziel „20-20“ hin züchtete (Alpakas mit 20 Pfund Vliesgewicht und im Durchschnitt 20 Micron Feinheit), wurde etwas weiter im Süden im Gebiet um Ayaviri ein anderer Ansatz verfolgt.

Diese Züchter wollten zur ursprünglichen Idee der Alpakazucht zurückkehren. Vor ca. 5000 Jahren hatten die Indios begonnen, aus dem ihnen wegen seiner wertvollen Faser heiligen Vicuña Tiere zu züchten, die deren Faserqualität aufweisen, aber statt 200g jährlich deutlich mehr Faser liefern. So entstand das Alpaka.

Dieses Ziel hatten sie erfolgreich erreicht, wie wir aus Grabbeigaben wissen. Als aber die Europäer nach dem Jahr 1500 damit begannen, die Neuweltkameliden und ihre Besitzer zu verdrängen und zu dezimieren, verwilderten die übrig gebliebenen Alpakas wieder und verschlechterten so ihre wundervolle Faser.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde erneut mit der Zucht dieser fast ausgestorbenen Tiere begonnen. Nachdem sich der Bestand in den folgenden Jahrzehnten allmählich erholt hatte, konnten in den 1980er Jahren erste Tiere ihren Erfolgszug in die Welt beginnen.

Vicunja

Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Vicuña und Alpaka?

Neben der offensichtlich sehr unterschiedlichen Bewollung sind es vor allem die Fasereigenschaften. Das Vicuña hat eine außerordentlich feine Faser (11-15 Micron) mit hoher Gleichmäßigkeit. Es hat zwar wenig Grannenhaare im Blanket, aber dafür lange und auffallende Grannenhaare im Bereich von Brust, Ellbeugen, Knie und unter dem Bauch. Die Faser ist mit 4-8 cm relativ kurz und immer medium-fawnfarben, wird aber hin zu den Bereichen mit Grannenhaaren deutlich heller. Sie weist eine besonders hohe Kräuselung, die Curvature, von 90-110°/mm auf, wie sie sonst nur von Kaschmir und außergewöhnlich hochwertigen Merinoschafen bekannt ist.

Diese hohe Kräuselung ist die Grundvoraussetzung für die Herstellung besonders feiner und dennoch fester und hochwertiger Garne. Die Qualität der Vicuña-Faser ist der Grund für ihren hohen Wert: 1 Kilo Rohfaser kostet auf dem Weltmarkt zwischen 1500 und 2000 US$.

Dagegen liegt der Wert besonders hochwertiger Alpakafaser derzeit bei maximal 100-200 US$ pro Kilo. Nur wenige, vor allem Indiostämme, haben die Erlaubnis, die seltenen Vicuñas zu scheren und ihre Faser zu vermarkten.

Die Faser der heutigen Alpakas ist in den vergangenen 50 Jahren erheblich verbessert worden. Meist liegt die Feinheit guter Tiere zwischen 17 und 22 Micron. In Richtung feinerer Faser zu züchten ist nicht unbegrenzt sinnvoll, denn unter 15-16 Micron steigt das Risiko erheblich, diese Faser nicht mehr nutzen zu können. Denn Faser, die während der Verspinnung zerreisst, verursacht im Endprodukkt das unschöne "Pilling".

Die Gleichmäßigkeit der Alpakafaser heute weist einen SD zwischen 3,0 und 4,0 (abhängig von der Messmethode) bei einem Anteil von 0 bis 10% Grannenhaaren (abhängig von der Farbe und vom Alter) und einer Kräuselung bzw. Curvature von 30-60 °/mm auf. Vor allem diese niedrige Curvature ist der Grund, warum gerade große Spinnereien oft die Verarbeitung der Alpakafaser ablehnen.

Showchampion mit Curvature von 55°/mm
Faser mit Curvature weit über 80°/mm

Aber warum ist gerade die Curvature so wichtig?

Um das zu verstehen, muss man sich den Prozess des Spinnens vor Augen halten. Nach dem Auskämmen und Kardieren der Faser, mit dem die Richtung der einzelnen Fasern in sogenannten Kardenzügen synchronisiert wird, werden diese Kardenzüge immer weiter auseinandergezogen und abschließend verdreht. Je häufiger und damit stärker die Drehung, desto fester und haltbarer wird der entstehende Faden.

Für die Herstellung von Garnen, die für die Weiterverarbeitung mit Maschinen oder zum Weben gedacht sind, ist ein ausreichend fester und gleichmäßiger Faden erforderlich.

Dagegen ist für die Herstellung von Handstrickgarnen eine geringere Festigkeit notwendig. Dies hat außerdem den Vorteil, dass die Garne sich „flauschiger“ anfühlen. Die stärkere Dicke ist sogar erwünscht. Allerdings bringt die geringere Stabilität mit sich, dass das flauschigere Produkt mehr haart und beim Waschen schneller zum Filzen neigt.

Neben der geringen Curvature ist ein weiterer Nachteil der Alpakafaser gerade bei besonders hochwertiger Faser die glatte Oberflächenstruktur, die den Glanz verursacht. Je glatter und glänzender die Faser, umso schwieriger ist es, daraus einen feinen und festen Faden zu spinnen. Dies wird meist dadurch gelöst, dass mehr Fasern verwendet werden (also ein dickerer Faden entsteht), Fremdfasern beigemischt werden oder eine festere Verspinnung gewählt wird.

Als Beispiel zur Erklärung der Nachteile einer geringen Curvature kann das fast glatte Angora-Haar dienen: es macht Strickwaren zwar extrem flauschig, aber die einzelnen Haare „wehren“ sich gegen die Verspinnung und wandern nach und nach aus dem Faden: das Produkt beginnt zu haaren und verliert so mit der Zeit die Angorahaare.

Nur Haare mit einer Kräuselung von mindestens 90°/mm, besser höher, sind optimal geeignet für die Herstellung hochwertiger Produkte wie sie z.B. Kaschmir und Vicuñja aufweisen.

Hier entsteht das Dilemma bei der Nutzung der Alpakafaser. Sie hat zumeist eine Curvature von 40-60°/mm, gelegentlich sogar weniger (Huacayas, abhängig von der Messmethode). Weil viele Züchter außerdem unterschiedliche Messmethoden verwenden, gibt es bisher Schwierigkeiten mit der Bewertung der ermittelten Werte. Außerdem ist die Curvature wie die Feinheit abhängig von der Ernährung der Alpakas. Je hochwertiger vor allem die Versorgung mit wertvollen Fettsäuren desto höher ist der gemessene Wert der Curvature.

Ein weiterer Nachteil ist die Tatsache, dass eine Curvature über 60°/mm nicht mehr mit den Augen beurteilt werden kann. Denn Fasern mit einer Curvature von 70, 80 oder gar 90°/mm sind optisch nicht mehr von uns Menschen zu unterscheiden und damit zu beurteilen. Sie sind also als Kriterium für die Bewertung auf den beliebten Showveranstaltungen ungeeignet. Dies ist der Grund, warum Showalpakas eine niedrigere Curvature besitzen sollten als Faseralpakas.

Diese Hindernisse haben dazu geführt, dass die Curvature in der Zucht leider gänzlich ignoriert wird und die Herstellung wertvoller Garne und damit hochwertiger Produkte in Europa kaum stattfindet.

Dass es auch anders geht, zeigen uns die Mitglieder der Kooperative Alianza im Süden von Peru.

Sie haben sich in der Cooperative "Alianza" zum Ziel gesetzt, Alpakas zu züchten, die eine gleichmäßig feine Faser unter 20 Micron mit einer hohen Kräuselung besitzen, eben VILYAs. Diese Alpakas zeichnen sich nicht nur durch Feinheit und hohe Curvature aus, sie haben meist die Fähigkeit, diese Eigenschaften weitgehend unabhängig von Fütterung und und auch im fortgeschrittenen Alter beizubehalten.

Da sie entstanden sind durch die immer wieder durchgeführte Einkreuzung von Vicuñas oder Paco-Vicuñas haben sie eine schlechtere Bewollung an Beinen und Kopf mit einer geringeren Dichte. Außerdem fällt die starke Grannenbehaarung an Brust und Bauch auf, die sich allerdings nicht im Bereich des Blankets befindet. (woran man sie von "schlechten" Alpakas unterscheiden kann)

Immer wieder einmal werden solche Alpakas auch nach Deutschland gebracht. Die meisten Züchter beachten sie nicht und erkennen ihren Wert nicht, weil sie so gar nicht dem auf Showveranstaltungen oder bei Körungen/Screenings vermittelten Werten entsprechen.

Nur an Hand einer Faseranalyse, die zuverlässig die Curvature misst (Sirolan-Laserscan) kann ein solches Alpaka von einem „unimproved style“, also einem schlechten Alpaka sicher unterschieden werden.

Und natürlich kann man sie an ihren Nachkommen erkennen, die neben beständiger Feinheit auch im Alter über eine hohe Curvature bei niedrigen Micronwerten verfügen.

Paco-Vicunja

Auf der Aabach-Farm haben wir und schon bald nach Beginn auf die Zucht dieser besonderen Alpakas spezialisiert, ausgelöst einerseits durch den glücklichen Zufall, einige solcher Alpakas erwerben zu können (darunter mit "DP Peruvian Balche" einen Sohn des berühmten "NWA Peruvian Hemingway" von der Alianza-Kooperative) und andererseits durch unsere über 10jährigen Erfahrungen bei der Herstellung von Garnen.

Inzwischen hat deutlich mehr als die Hälfte unserer über 200 Alpakas eine Curvature von mehr als 60°/mm, viele liegen inzwischen sogar über 80°/mm. Ja, wir haben sogar mehrfach Alpakas mit Werten über 90°/mm gefunden.

Es ist selbstverständlich, dass eine Faser mit hoher Kräuselung immer auch sehr fein ist, denn nur eine feine Faser kann sich stark kräuseln. Dennoch sind die Fasern trotz ihrer Feinheit sehr reißfest, anders wären sie für die Herstellung von Garnen und deren Weiterverarbeitung nicht geeignet.

Um das zu gewährleisten, haben wir ein spezielles Alpakafutter entwickelt, das die notwendigen Stoffe liefert und inzwischen von der Firma Eilers europaweit vertrieben wird.

Dem zweiten Ziel, ein Alpaka zu züchten, das wie das Vicuña die Feinheit und hohe Kräuselung während seines gesamten Lebens und unabhängig von der Ernährung behält, sind wir inzwischen ebenfalls sehr nah gekommen.

Durch unseren Hengst „MLA QAI Hannibal“, der diese wunderbaren Kriterien in hohem Maße erfüllt, konnten wir diese Eigenschaften in einen großen Teil unserer Herde einbringen und so die Menge an jährlich gewonnener bester Faser deutlich erhöhen.

Inzwischen liefern auch andere unserer Alpakas selbst in fortgeschrittenen Lebensjahren Faser der Qualität Baby und Royal.

Wenn Sie mehr Informationen wünschen und sich in dieses interessante Thema weiter einarbeiten möchten, können Sie sich hier über unser Buch informieren: "Warum Alpakas?"

Und besonders intensiv bearbeiten wir diese Thematik in unseren Seminaren.

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