How To Alpaca: Alpaka-Verhalten

Mit unserer Reihe “HowToAlpaca” fassen wir euch jede Menge interessante Themen rund um Alpakas, Alpaka-Gesundheit, Haltung, Faser und mehr zusammen. All diese Artikel findet ihr auch auf Instagram unter @aabachfarm.alpakas

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How To Alpaca - Alpaka-Verhalten einmal für euch zusammen gefasst.

Was gehört zum natürlichen Verhalten von Alpakas? Oftmals werden die Tiere nur als süß und niedlich verkannt, was zu einem falschen Bild dieser Flauschwunder in den Medien und oft auch bei Kund:innen führt. Viele möchten diese “kuscheligen” Tiere knuddeln und im Garten zusammen mit anderen Tieren halten. Doch dafür sind Alpakas nicht wirklich geeignet und außerdem auch nicht zu unterschätzen. Wie ist normales Alpaka-Verhalten? Wir erklären es euch!

Herdentiere

Alpakas sind soziale Tiere die ausschließlich in Herden leben können (mindestens 3 Tiere). Einzelhaltung ist für Alpakas pure Tierquälerei auch unabhängig vom Geschlecht, da sie als Fluchttiere permanent auf der Hut sein müssen um möglichen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Dies können sie aber nicht beim Schlaf, weshalb einsame Alpakas durch den Stress dann nicht besonders alt werden können. In der Herde haben sie dann eine Rangfolge, die besonders bei Hengsten auch bis zum Tod erkämpft werden kann. Zudem gibt es in einer Herde oft einen “Aufpasser”, welcher die Umgebung überblickt solange die anderen Fressen. So ist die ganze Herde geschützt oder wird notfalls alarmiert (s. Alpaka-Kommunikation). Sollte dies passieren, bleibt die Herde immer möglichst zusammen: rennt eins weg kommen alle hinterher. Dies ist besonders wichtig, wenn man ein Tier in der Herde fangen möchte. Meist lässt sich immer nur die ganze Herde, nicht aber das einzelne Alpaka eintreiben. In der Herde gelten strenge Regeln, was bedeutet, dass auch Fohlen von anderen Tieren erzogen werden.

Kommunikation - Akustisch

Alpakas kommunizieren anders als viele andere Tiere mit eigenen akustischen Signalen, die wir in unserem How To Alpaca YouTube Video zusammengefasst haben (s. Blogbeitrag). Dabei sind besonders folgende Laute auffällig: das “Summen”, welches permanent in der Herde ausgetauscht wird. Dies bedeutet in der Herde in Kontakt zu bleiben und sich gegenseitig zu versichern, dass alles ok ist. Auch dies ist eine wichtige Erklärung, warum Alpakas nicht alleine leben können - denn ohne eine Antwort führt dies zu deutlichem Stress der Tiere. Beim “Schnalzen” drückt die Alpaka-Mutter Zuneigung zu ihrem Fohlen aus. Manchmal wird dieses Geräusch auch unter erwachsenen Tieren genutzt, meist aber nur unter Stuten. Der Alpaka-”Schrei” ist meist beim Kämpfen zu hören: entweder beim Streit um Futter, oder beim Hengstkampf. Das sogenannte “Orgeln” oder “Singen” ist ein Geräusch welches die Hengste beim Geschlechtsakt machen. Dies soll die Stute von ihrem Körperbau überzeugen (je lauter und tiefer, desto größer und kräftiger der Hengst) und soll auch während des Sex den Eisprung mit auslösen. Es gibt diesen Gesang sogar mittlerweile auf CD, um Stuten zu animieren. Der “Alarmruf” dient dazu die Herde in Alarmbereitschaft zu versetzen. Er klingt wie eine wild gewordene Quietscheente und wird oft eher Vögeln, nicht aber Alpakas zugeordnet. Ertönt dieser, ist die ganze Herde sofort wachsam oder läuft ein Stück weg.

Kommunikation - Körper

Wie bei anderen Tieren zeigen auch Alpakas durch die Ohren ihre Stimmung: hängen sie herunter können sie entweder entspannt, wütend oder konzentriert sein. Bei Aufmerksamkeit und Neugierde werden sie nach vorne aufgerichtet. Der Schwanz wird ebenso bei Anspannung aufgerichtet. Dies kann allerdings sowohl bei positiver Anspannung (Freude, Milch trinken), als auch bei negativer Anspannung (Stress, Kampf, Unterlegenheit) passieren. Hängt der Hals tief kann dies auf Krankheit oder Unterwerfung hindeuten. Steht das Alpaka dabei häufig auf “Halbmast” und frisst nicht mehr mit Appetit, sollte unbedingt ein Tierarzt konsultiert werden. Auch Alpakas treten, wenn ein anderes Tier ihnen zu nahe kommt. Dies ist besonders bei Hengsten beliebt und trifft bei (menschlichen) Männern in eine nicht gute Höhe. Wie schon angedeutet kämpfen Hengste untereinander um die Rangfolge. Dabei beißen sie sich gegenseitig in den Nacken/Hals/Beine und Hoden, versuchen sich herunterzudrücken, Spucken, Schreien und versuchen den anderen zu Decken. Dieser Kampf kann bis zum Tod führen (besonders durchs Decken) und ist nicht zu unterschätzen. In der “Natur” würden sich diese Tiere aus dem Weg gehen können, auf Wiesen haben schwächere Tiere oft keine Chance. Hier sollte unbedingt eingegriffen und die Herdenstruktur passender gewählt werden (s. Blogbeitrag Hengsthaltung).

Verhalten untereinander

Alpakas sind Distanztiere. Sie kuscheln nicht, da sie nach der Geburt ebenso keinen Körperkontakt durch Ablecken der Mutter erfahren und wollen dies deshalb auch nicht vom Menschen - egal wie schön flauschig sie sind. Natürlich können sie lernen Körperkontakt zu akzeptieren, positiv verknüpft ist dies aber (vom natürlichen Verhalten her) nicht, sondern kann mit Futter belohnt werden. Direkten Kontakt zwischen Alpakas gibt es außer zwischen Mutter und Fohlen durch nebeneinander Schlafen nur beim Sex, oder beim Kampf untereinander. Aus diesem Grund sollte auch der Stall so ausgestattet sein, dass die Tiere Abstand halten können und kein Kampf durch zu viel Nähe provoziert wird. Denn bei Distanzunterschreitung wird schnell mal getreten, gespuckt und besonders jüngere oder rangniedrigere Tiere verjagt. Trotzdem müssen die Alpakas aber immer die Möglichkeit zum akustischen Austausch und Sichtkontakt haben, damit sie sich nicht einsam und dadurch gestresst fühlen. Einzelboxen sind also auf keinen Fall eine Option!

Was noch?

Alpakas sind Fluchttiere, die allerdings nicht wie Pferde einfach durchgehen, sondern meist nach ein paar Metern stehen bleiben und sich umgucken, um die Situation einschätzen zu können (oder zum Kampf überzugehen). Haben sie jemanden erblickt, “starren” sie lange und tief mit beiden Augen gleichzeitig zurück. Dies ist eine Anatomische Besonderheit von Alpakas, da die meisten “Nutztiere” nicht gleichzeitig mit beiden Augen nach vorne blicken können. Interessant ist: dieser Effekt wirkt wie flirten - man fühlt sich verbunden zum jeweils anderen, da durch langen Augenkontakt das Hormon “Oxytocin” ausgeschüttet wird. Dies macht Alpakas auch ideal als Therapie-Tiere, da man sich ihre Nähe erst einmal verdienen muss (durch sehr ruhiges und nicht aggressives Verhalten), man sich ihnen schnell verbunden fühlt und ausgebildete Alpakas absolut ungefährlich sind.

Was man immer im Blick haben sollte, ist, dass sich das Verhalten besonders von Alpaka-Hengsten nach der Geschlechtsreife/Pubertät auch massiv ändern kann. Junge Hengstgruppen sind oft friedlich und erst mit ca. 3-4 Jahren beginnen die ersten Probleme. Das gleiche gilt für schwangere Stuten: waren sie vorher noch zutraulich und brav, beginnen sie in der Schwangerschaft alles um sie herum anzuspucken oder zu treten.

Übrigens: Alpakas sind sehr hygienische Tiere und machen alle zusammen auf einzelne Klostellen auf der Wiese (gerne auch im Stall) verteilt. Werden diese regelmäßig gereinigt, bleibt der Rest der Fläche angenehm sauber. Reinigt man die Stellen allerdings nicht oft genug, breiten sie sich über die ganze Fläche aus und auch in Zukunft halten sich die Alpakas nicht mehr unbedingt an einzelne Stellen, da vieles nach “Klo” riecht. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es kaum möglich ist die Tiere davon abzuhalten eine Klostelle zu nutzen die sie mögen (besonders im Stall). Es ist aber durch z.B. andere Gerüche oder sofortiges Entfernen z.T. möglich die Alpakas auf andere Stellen umzutrainieren/neue Stellen zu definieren. Klappen tut dies aber zugegeben nicht häufig.

Für Fragen stehen wir euch immer gerne zur Verfügung. Sprecht uns an!

Viel Spaß mit euren Alpakas!

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